Die Mode von Christian Dior gilt als Inbegriff von Weiblichkeit. Das altehrwürdige Haute-Couture-Haus musste jedoch jüngst den Weggang des Chefdesigners Raf Simons verkraften.


Labelgründung

Christian Dior kam 1905 als Spross einer vermögenden Industriellenfamilie zur Welt und wuchs in einer Villa in der Normandie auf. Seine Eltern wünschten sich eine Laufbahn als Diplomat für ihren Spross. Den Sohn zog es jedoch in die Kunst. Er gründete zunächst mit einem Freund eine Galerie, in der er auch Werke von Pablo Picasso verkaufte. 1937 begann Dior seine Laufbahn als Modeschöpfer. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er mit Pierre Balmain beim Designer Lucien Lelong, wo er auch Kleider für die Gattinnen von Nazi-Offizieren entwarf. Im Dezember 1946 gründete Christian Dior das nach ihm benannte Modehaus in Paris. Finanziert wurde die Firma von dem Textilunternehmer Marcel Boussac.


Erste Erfolge

Schon mit seiner ersten, im Februar 1947 präsentierten Kollektion, schrieb Christian Dior Modegeschichte. Er führte eine Silhouette ein, die als „New Look“ eine Zeitenwende einläutete. Nach der puren Funktionalität und Materialknappheit des Zweiten Weltkriegs verströmte die Kombination aus Bustiers, geschnürter Wespentaille und weitem Glockenrock Luxus und ultimative Weiblichkeit. Zunächst wurde Dior wegen der langen Rocksäume Rückschrittlichkeit vorgeworfen. Schließlich waren Frauen seit dem Krieg mehr Beinfreiheit gewohnt. Die Eleganz von Diors Entwürfen setzte sich aber rasch durch. Zu den prominenten Fans zählten Ikonen wie Grace Kelly oder die britische Prinzessin Margaret. Mit seinem 1947 erschienenen Parfüm „Miss Dior“ landete der Modeschöpfer einen Verkaufsschlager. Zwei Jahre später wurde eine Christan Dior Boutique in New York eröffnet. 1955 war der erste Lippenstift des Labels zu erwerben. Nur zehn Jahre nach der ersten Kollektion starb Christian Dior im Alter von 52 Jahren an einem Herzinfarkt.


Was macht Dior aus?

Die „New Look“-Silhouette zählt zu den einflussreichsten Neuerungen in der Mode, die bis heute in den Kollektionen des Hauses zu finden ist. Daneben ist das Haute-Couture-Haus für höchste Schneiderkunst, perfekte Proportionen und exquisite Stoffe bekannt. Womöglich wäre der Name Dior aber rasch in den Annalen verschwunden. Denn nach dem Tod des Gründers war ernsthaft die Abwicklung des Modehauses erwogen worden. Dann aber wurde der erst 21-jährige Yves Saint-Laurent zum künstlerischen Direktor ernannt. Er pflegte weiterhin das Erbe des Vorgängers, machte die Entwürfe aber alltagstauglicher. Eine weitere Zeitenwende folgte, als der Vorsitzende Bernard Arnault 1996 das britische Enfant terrible John Galliano zu Christian Dior holte. Unter ihm wurde das Label zu einem Schmelztiegel aus Avantgarde und Tradition. Nach einem Skandal um antisemitische Äußerungen wurde Galliano 2011 entlassen.

Fashion-Show, Credit: instagram.com/dior/

Aktuelle Projekte

Im April 2012 trat Raf Simons Gallianos Nachfolge bei Dior an. Der als Purist geltende Belgier hatte bis dahin keine Erfahrung mit Haute Couture und schien zunächst eine seltsame Wahl zu sein. Mit seiner ersten Kollektion aber überzeugte der Designer dank seiner modischen Auseinandersetzung mit den Entwürfen des großen Christian Dior. Im Oktober 2015 gab Simons nach nur dreieinhalb Jahren Zusammenarbeit seinen Abschied von dem Label bekannt. Als Grund nannte er persönliche Erwägungen. Als Nachfolger wird nun unter anderen Riccardo Tisci von Givenchy gehandelt – der ist auch jenseits von Modezirkeln als Weggefährte von Realitystar Kim Kardashian bekannt. Die Nachfolgefrage ist nicht nur künstlerischer, sondern vor allem auch wirtschaftlicher Art: Zu Dior gehören mittlerweile 195 Boutiquen weltweit. Das Unternehmen erzielte zuletzt ein Quartalseinkommen von rund 470 Millionen Euro.



Weitere Informationen zu Dior: http://www.dior.com/home/de_de?gclid=CIqJwLm_rskCFSoEwwodYvYDNw

Bild-Credit: instagram.com/dior/