Wohl kein anderer Modeschöpfer hat die Branche in den vergangenen Jahrzehnten so nachhaltig geprägt wie Karl Lagerfeld, er ist ein Ausnahmedesigner mit Ausdauer.


Labelgründung/Durchbruch

Karl Lagerfeld kam im September 1933 als Spross einer vermögenden Unternehmerfamilie in Hamburg zur Welt. Schnell erregte sein außergewöhnliches Talent für die Mode Aufmerksamkeit: Mit nur 22 Jahren gewann Karl Lagerfeld gewann mit einem Wollmantel einen Design-Wettbewerb in Paris. In der Jury saß der einflussreiche Modeschöpfer Pierre Balmain, der Lagerfeld als Assistenten einstellte. Es folgten Stationen beim Designer Jean Patou und im Modehaus Chloé. Seit 1965 entwirft Lagerfeld Kollektionen für die italienische Luxusmarke Fendi. 1974 gründete Karl Lagerfeld das nach ihm benannte Label, das bis heute fortbesteht. 1983 fand der deutsche Designer außerdem seine wahre Bestimmung. Er wurde zum künstlerischen Direktor von Chanel ernannt, ein Jahr später bereits folgte der Aufstieg zum Chefdesigner.


Erste Erfolge

Das weltberühmte Modelabel Chanel war nach dem Tod der legendären Gründerin Coco Chanel 1971 in eine Krise geraten und galt nach den Swinging Sixties als altmodisches und betuliches Modehaus für Damen fortgeschrittenen Alters. Karl Lagerfeld brachte frischen Wind in das altehrwürdige Atelier, ohne dabei mit dem großen Erbe seiner Vorgängerin zu brechen. Schon in Lagerfelds Anfangszeit bei Chanel erlebte das Pariser Unternehmen eine Expansion. Dutzende von Geschäften wurden weltweit eröffnet. Neben der exklusiven Haute Couture und den Prêt-à-porter-Kollektionen setzte Chanel unter Karl Lagerfeld verstärkt auf Massenware wie Parfüms, Lederwaren und Uhren. Auch deshalb stieg Chanel Mitte der 90er Jahre zum profitabelsten Modehaus Frankreichs auf.


Was macht Karl Lagerfeld aus?

Lagerfeld ist eine Institution und unbestritten der weltweit bekannteste Modedesigner. Bis heute pflegt er das Erbe Coco Chanels; ihre kurzen Kostümjacken und der unverwechselbare Tweedstoff dürfen auch in den aktuellen Kollektionen nicht fehlen. Dank Karl Lagerfeld ist Chanel mittlerweile neben Dior das letzte Modehaus, das sich noch ein eigenes Haute-Couture-Atelier leistet. Die Schneiderinnen dort stecken schon mal Hunderte von Arbeitsstunden in ein einziges Abendkleid. Die so produzierten Kunstwerke kosten dann natürlich entsprechend sechsstellige Summen, was sich weltweit immer weniger Kundinnen leisten können. Die Haute Couture ist mittlerweile vor allem das exklusive Aushängeschild, dessen Glanz auf alle Produkte des Labels abstrahlt. Bei der Vermarktung seiner Entwürfe setzt Karl Lagerfeld seit jeher auf zugkräftige Namen und Gesichter. Der Designer verhalf Muse Claudia Schiffer zum Durchbruch und lässt heute Hollywoodstars wie Kristen Stewart für seine Kreationen werben. 2004 trieb Karl Lagerfeld den Balanceakt zwischen ultimativem Luxus und erschwinglichen Massenprodukten auf die Spitze, als er für die Modekette H&M eine Kollektion entwarf.

Lagerfeld verwandelte das Pariser Grand Palais in ein Flughafenterminal, by Olivier Saillant

Aktuelle Projekte

Auch mit 82 Jahren lässt Karl Lagerfeld keine Anzeichen von Müdigkeit erkennen. Wie am Fließband entwirft der Designer mit dem weiß gepuderten Pferdeschwanz für Chanel, Fendi und das Label „Karl Lagerfeld“ eine Kollektion nach der anderen. Vor einigen Monaten sorgte der Exzentriker mal wieder über die Grenzen der Modebranche hinaus für Schlagzeilen, als er Supermodel Cara Delevingne und HipHop-Star Pharrell Williams für einen Kurzfilm als österreichisches Kaiserpaar Sisi und Franz-Joseph in Szene setzte. Diese Art bombastischer Inszenierungen ist mittlerweile auch Standard bei den Modeschauen von Chanel. Für die Ready-to-Wear-Kollektion für das Frühjahr 2016 verwandelte Lagerfeld das Pariser Grand Palais in ein Flughafenterminal. Eine Nachfolge für „Karl den Großen“ ist nicht in Sicht. „Im überfüllten Modehimmel ist Pilot Karl der einzige Mensch, der Chanel in alle korrekten Richtungen steuern kann“, urteilte erst kürzlich die US-Modebibel „Vogue“.



Weitere Informationen zu Karl Lagerfeld: http://www.karl.com/de

Bild-Credit: Olivier Saillant